Quarantäneschadorganismen der Kartoffel
Als Quarantäneschaderreger (QSO) werden Organismen bezeichnet bei denen die Gefahr der Ausbreitung und Verschleppung in andere Gebiete besteht, in denen diese nicht vorkommen. Es handelt sich dabei um Organismen, die große Schäden in der Land- und Forstwirtschaft verursachen, aber auch zu Veränderungen in Ökosystemen und zu wirtschaftlichen Schäden führen können. Gegen Quarantäneschaderreger gibt es wenige bzw. nur sehr aufwändige Bekämpfungsmöglichkeiten, weshalb alle Maßnahmen darauf abzielen, die Einwanderung und Ausbreitung zu verhindern. QSO sind bei Verdacht bzw. Auftreten gemäß § 1a der Pflanzenbeschauverordnung (PBVO) anzeigepflichtig.
Jeder Verdacht eines Befalls mit diesen Schadorganismen ist dem zuständigen Pflanzenschutzdienst anzuzeigen.
Der Kartoffelkrebs (Synchytrium endobioticum) und die Bakterielle Ringfäule der Kartoffel (Clavibacter michiganensis subsp. michiganensis) sind Quarantäneschaderreger (QSO), die in der Kartoffelproduktion große Schäden verursachen können. Seit einigen Jahren tritt hin und wieder auch die Schleimkrankheit der Kartoffel (Ralstonia solanacearum) auf.
Der Goldene bzw. Weiße Kartoffelnematode (Globodera rostochiensis bzw. Globodera pallida) sind QSO, die nicht nur für die Kartoffelproduktion von großer Bedeutung sind, sondern auch für den Export von Pflanzen viel Beachtung erfordern.
Ein weiterer Schadorganismus an Kartoffeln ist der Amerikanische Kartoffelerdfloh (Epitrix sp.). Er kommt innerhalb der EU bisher nur in Portugal und Spanien vor. Um eine Ausbreitung zu verhindern, wurde von der EU der Durchführungsbeschluss 2012/270/EU vom 16. Mai 2012 über Dringlichkeitsmaßnahmen erlassen.
Der Kartoffelkrebs ist eine Krankheit, die von einem Pilz verursacht wird. Die Überlebensorgane des Pilzes (Sporangien) sind sehr langlebig und können bis zu 30 Jahre im Boden überdauern.
Eine Verbreitung erfolgt auf verschiedenen Wegen
- durch direkten Kontakt gesunder Knollen mit befallenen,
- indirekt, in dem gesunde Knollen in Behältnissen transportiert oder gelagert werden, in denen sich zuvor befallene Knollen befanden,
- über den Boden, indem auf verseuchten Äckern Kartoffeln angebaut werden,
- Verbreitung des verseuchten Bodens durch Maschinen, Geräte und durch Tiere (die Sporangien überstehen auch die Verdauung und gelangen über Ausscheidungen wieder in den Boden).
Der Kartoffelkrebs befällt nur die Kartoffel. Ein Befall ist meistens erst zur Ernte erkennbar, wenn an den Knollen blumenkohlartige Wucherungen auftreten. Selten kommen diese Wucherungen an den Stolonen und am Stängel in Bodennähe vor. Bei starkem Befall kann es zum Verlust der gesamten Ernte kommen.
Kartoffelkrebs kommt in Deutschland in Einzelfällen, aber in Brandenburg nicht vor. Es besteht jedoch die akute Gefahr der Einschleppung mit Pflanzgut aus Befallsgebieten, besonders aus Polen, wo der Kartoffelkrebs weit verbreitet ist.
Die Bakterielle Ringfäule der Kartoffel wird von Bakterien verursacht. Die Verbreitung erfolgt auf den gleichen Wegen wie die Verbreitung des Kartoffelkrebses.
Im Gegensatz zum Kartoffelkrebs befällt die Bakterielle Ringfäule nicht nur die Kartoffel, sondern kann auch Tomaten, Auberginen und andere Nachtschattengewächse infizieren.
Die Symptome sind nicht immer leicht zu erkennen. Trotz Infektion müssen keine sichtbaren Anzeichen vorhanden sein. Es liegt in diesem Fall ein latenter Befall vor.
Symptome an Kartoffeln sind:
- beginnend am Nabelende, eine anfangs glasige, dann cremig gelbe, hell- bis dunkelbraune Färbung des Gefäßbündelringes; der Gefäßbündelring wird zersetzt und reißt auf
- durch Druck kann aus dem Gefäßbündel eine schleimige, milchig weiße Aussonderung gepresst werden, die viele Bakterien enthält,
- bei schnellem und starkem Befall kann auch das Kartoffelgewebe im Zentrum der Knolle zerfallen,
- äußerlich können sich in der Kartoffelschale trockene Risse befinden (Mumienbildung der Kartoffel),
- Blätter färben sich leicht gelb und beginnen sich um die Mittelrippe nach oben zu rollen; später verbräunen die Blätter und Stängel bis zum völligen Absterben.
Die Schleimkrankheit der Kartoffel wird ebenfalls von Bakterien verursacht. Der Wirtspflanzenkreis ist aber bedeutend größer als der der Bakteriellen Ringfäule. Neben Kartoffeln, Tomaten und Auberginen können auch Tabak, Paprika, Zierpflanzen (z. B. Pelargonien) und Unkräuter aus der Familie der Nachtschattengewächse befallen werden. Weltweit sind über 200 Pflanzenarten als Wirtspflanzen bekannt.
Ein Befall zeigt sich durch:
- reversible Welke der oberen Blätter, besonders in der Mittagszeit,
- fortschreitender Befall führt zur Welke der ganzen Pflanze bis zum Zusammenbruch,
- Chlorosen treten sehr spät oder überhaupt nicht auf,
- wird der Stängel einer befallenen Pflanze kurz über dem Boden abgeschnitten, sind verbräunte Leitungsbahnen, aus denen fadenziehender, weißer Bakterienschleim quellen kann zu erkennen.
- Symptome an den Knollen treten selten auf, eingetrocknete, mit Erde behaftete Schleimtröpfchen an den Augen können sichtbar sein. Beim Längsschneiden der Knolle zeigt sich eine braune Verfärbung des Gefäßbündelringes, aus dem grauweißer Schleim hervorquillt.
Gelangen befallene Pflanzen, Tomaten, Knollen, Schalen von latent befallenen Kartoffeln und anderer kontaminierter Abfall auf den Kompost, können sowohl die Sporangien des Kartoffelkrebses als auch die Bakterien der Ringfäule und der Schleimkrankheit überdauern und über den Kompost auf die Kulturflächen gelangen. Werden auf diesen Flächen Wirtspflanzen für diese Schadorganismen angebaut (Kartoffel, Tomate, Aubergine) oder wachsen dort Unkräuter aus der Familie der Nachtschattengewächse (z.B. Schwarzer Nachtschatten), erfolgt eine Infektion dieser Pflanzen und der Schadorganismus kann sich vermehren und ausbreiten.
Die Schleimkrankheit kann außerdem durch Wasser verbreitet werden. Werden Beregnungsanlagen mit kontaminiertem Wasser gespeist und Flächen von Wirtspflanzen beregnet, ist ein Befall sicher.
Der Kartoffelnematode ist ein mikroskopisch kleiner Fadenwurm, der durch Saugtätigkeit an den Wurzeln die Pflanze schwächt und bei starkem Befall zum Absterben bringt. Nesterweiser Kümmerwuchs und Fehlstellen in einem Bestand deuten auf das Vorhandensein von Nematoden hin. Gewissheit bringt nur eine Bodenuntersuchung.
Es wird gesetzlich gefordert, dass Pflanzkartoffeln zur Erzeugung von Pflanzkartoffeln nur auf nematodenfreien Flächen angebaut werden dürfen. Mit der „Verordnung zur Bekämpfung des Kartoffelkrebses und der Kartoffelzystennematoden vom 6. Oktober 2010 (BGBl. I S. 1383)“ wird die amtliche Untersuchung von Flächen auch zum Zwecke des Nachbaus gefordert. In Baumschulen und Gartenbaubetrieben muss sichergestellt sein, dass die Pflanzen auf nematodenfreien Flächen gewachsen sind, um beim Verkauf und vor allem beim Export der Waren keine Nematoden mit anhaftender Erde zu verbreiten.
Der Anbau von nematodenresistenten Kartoffelsorten und eine weitgestellte Fruchtfolge (mindestens 3 Jahre, besser sind 4 und mehr Jahre) führen zu einer Reduzierung der Befallsstärke.
Der Amerikanische Kartoffelerdfloh ist ein nur wenige Millimeter großer Käfer. Ein Befall zeigt sich durch kleine Fraßlöcher an Stängeln und Blättern der Wirtspflanze. Den weitaus größeren Schaden verursachen aber die Larven. Deren Schadbild sind tunnelartige Fraßgänge unter der Schale der Kartoffelknollen. Dadurch wird die Qualität der Knollen vermindert und deren Marktfähigkeit eingeschränkt. Außerdem sind sie Eintrittspforten für andere Schadorganismen, z. B. Fäulniserreger.
Zusätzlicher Aufwand und Kosten entstehen durch die Bekämpfung der Käfer mit geeigneten Insektiziden.
Wirtspflanzen sind neben der Kartoffel auch Tomate, Aubergine, Tabak und andere Pflanzenarten aus der Familie der Solanaceae.
Jeder Verdacht eines Befalls mit den genannten Schadorganismen ist dem zuständigen Pflanzenschutzdienst anzuzeigen.
Um eine Ausbreitung dieser Schadorganismen zu verhindern, wird den präventiven Maßnahmen große Bedeutung beigemessen.
- Die Verwendung von zertifiziertem Pflanzgut, auch für den Anbau im Garten, minimiert das Befallsrisiko, denn dieses Pflanzgut wurde getestet. Zertifiziertes Pflanzgut ist im Handel oder in einem Pflanzkartoffelvermehrungsbetrieb erhältlich und ist mit einem EG-Pflanzenpass gekennzeichnet.
- Eigener Nachbau sollte vor dem Anbau auf Befall mit Quarantänebakteriosen im Diagnoselabor untersucht werden.
- Auch beim Kauf von Speise- und Futterkartoffeln sollte auf die Herkunft geachtet werden.
- Beim Kauf von Kartoffeln polnischen Ursprungs ist besondere Vorsicht geboten. In Polen sind der Kartoffelkrebs und die Bakterielle Ringfäule stark verbreitet.
- Eine unbewusste Einschleppung nach Deutschland ist leicht möglich. Um das zu verhindern, sollten nur Kartoffeln gekauft werden, die mit der Registriernummer des Erzeugerbetriebes versehen sind, sowie mit einer Bescheinigung des polnischen Pflanzenschutzdienstes, dass diese Kartoffelpartie auf Bakterielle Ringfäule untersucht und kein Befall festgestellt wurde.
- Be- und Verarbeitungsmaschinen und –geräte sowie Transportmittel in der Kartoffelproduktion sind regelmäßig zu reinigen und zu desinfizieren.
- Auf eine gute Fruchtfolge ist zu achten.