Kartoffeln - Unkrautbekämpfung

Kartoffeln

Unkrautbekämpfung

Die Kartoffelpflanzung hat regional bereits begonnen. Da die Kultur aufgrund ihrer langsamen Jugendentwicklung anfangs eine geringe Konkurrenzkraft gegenüber Unkräutern und Ungräsern besitzt, sind Maßnahmen zur Unkrautregulierung Grundvoraussetzung zur Sicherung des Ertrages und der Qualität im Kartoffelanbau. Mechanische Pflegemaßnahmen sind in Kartoffeln möglich (siehe auch Broschüre Seite 240/241). Unter trockenen Bedingungen kann auch eine Kombination mechanischer und chemischer Maßnahmen hilfreich sein.

Hinsichtlich chemischer Bekämpfungsmaßnahmen ist die Kenntnis der Standortbedingungen (Bodenart und –feuchte), des zu erwartenden Unkrautartenspektrums, der Sortenverträglichkeit und des Verwendungszwecks der Kartoffeln zielführend.

Für die Unkrautbekämpfung im Kartoffelanbau können eine Reihe boden- und blattwirksamer Präparate bzw. Herbizidkombinationen zur Anwendung kommen. Die Herbizidpalette für die Anwendung in Kartoffeln ist im Vergleich zum Vorjahr fast unverändert. Neu in dieser Saison steht Chanon (600 g/l Aclonifen) zur Verfügung. Eine Anwendung kann mit 2,0 l/ha im Vorauflauf erfolgen. Metric als Metribuzin-haltiges Herbizid ist nicht mehr marktverfügbar.

Anwendungsstrategien

Schwerpunkt einer gezielten Unkrautbekämpfung liegt im Vorauflauf (VA) bis kurz vor Durchstoßen (kvD) der Kartoffeln. Eine Herbizidanwendung sollte möglichst im Keimblattstadium der Unkräuter auf gut abgesetzte Dämme erfolgen. Das Vorhandensein ausreichender Bodenfeuchtigkeit ist Voraussetzung für optimale Wirksamkeit von Bodenherbiziden. Nach erfolgter Unkrautbekämpfung sollten mechanische Maßnahmen unterbleiben um den Herbizidfilm möglichst lange zu erhalten.

Die Tankmischung aus Boxer + Sencor Liquid oder Boxer + Mistral sichert beispielsweise gute Bekämpfungsergebnisse in Metribuzin-verträglichen Sorten. Alternativ kann auch das Kombinationspräparat Arcade (800 g/l Prosulfocarb; 80 g/l Metribuzin) zum Einsatz kommen.

Die Anwendung der Tankmischung (TM) aus Boxer und Proman erfasst ein breites Unkrautartenspektrum und bietet sich in Metribuzin-empfindlichen Sorten an. Herbizidkombinationen, wie z. B. TM Bandur + Boxer, TM Bandur + Centium 36 CS, TM Novitron DamTec + Proman können auf Standorten mit Minderwirkungen von Metribuzin gegen Weißen Gänsefuß sowie auch gegen Knöterich eingesetzt werden. Zudem können mit diesen Tankmischungen auch unter trockenen Bedingungen gute Wirkungsgrade erzielt werden. Schwarzer Nachtschatten wird beispielsweise durch die Kombination aus Bandur und Artist oder Proman gut erfasst. Sinopia als weiteres Metribuzin-freies Herbizid kann mit 3,0 l/ha im Vorauflauf zur Bekämpfung einjähriger zweikeimblättriger Unkräuter und einjähriger Rispe zum Einsatz kommen. Gut erfasst werden u.a. Ackerhellerkraut, Amarant, Franzosenkraut, Schwarzer Nachtschatten, Klettenlabkraut, Kamille-, Gänsefuß- und Knöterich-Arten.

Beim Vorkommen bereits aufgelaufener Unkräuter in fortgeschrittener Entwicklung kann die Kombination des blattaktiven Quickdown (0,4 l/ha + 1,0 l/ha Toil) mit anderen VA-Herbiziden kurz vor dem Durchstoßen der Kartoffeln zweckdienlich sein.

Nachauflaufbehandlungen (NA) werden erforderlich, wenn durch die im Vorauflauf eingesetzten Herbizide nicht die erwartete herbizide Wirksamkeit (z. B. bedingt durch trockene Witterungsbedingungen) erzielt werden konnte. Zusätzlich können in Wellen auflaufende Unkrautarten, wie z. B. Amarant, Hirsearten, Bingelkraut bekämpft und somit einer Spätverunkrautung entgegengewirkt werden.

Die Herbizidauswahl für die Anwendung im Nachauflauf ist jedoch begrenzt. Hier können neben Metribuzin-haltigen Präparaten (z. B. Arcade, Citation, Mistral, Sencor Liquid) auch Herbizide mit dem Wirkstoff Prosulfocarb (Arcade) und Rimsulfuron (z. B. Cato) zum Einsatz kommen. Bei stärkerer oder in Wellen auflaufender Verunkrautung kann auch der Einsatz von Spritzfolgen (z. B. 2x Sencor Liquid VA / NA oder Sencor Liquid VA / Cato + Vivolt NA) sinnvoll sein.

Zur Vermeidung von Schäden ist bei der Anwendung von Cato folgendes zu beachten:

  • nach Niederschlägen ca. 2 Tage zur Ausbildung einer Wachsschicht auf den Blättern abwarten
  • keine Anwendungen bei Temperaturen (> 25°C, nachts < 8°C, Frostgefahr)
  • keine Anwendung auf taunassen Beständen
  • keine Anwendung in Pflanzkartoffeln

Wirkstoffspezifische Anwendungsbestimmungen beachten!

Präparate mit den Wirkstoffen Clomazone und Rimsulfuron (im NA) dürfen nicht in Beständen zur Pflanzguterzeugung eingesetzt werden.

Zudem müssen bei der Anwendung Clomazone-haltiger Herbizide (z. B. Centium 36 CS, Novitron DamTec, Sinopia) zur Vermeidung von Schäden gegenüber den Nichtzielpflanzen auf Nachbarflächen folgende Anwendungsbestimmungen beachtet werden:

  • NT127:  Die Anwendung des Mittels darf ausschließlich zwischen 18 Uhr abends und 9 Uhr morgens erfolgen, wenn Tageshöchsttemperaturen von mehr als 20°C Lufttemperatur vorhergesagt sind. Wenn Tageshöchsttemperaturen von über 25°C vorhergesagt sind, darf das Mittel nicht angewendet werden.

Die vorhergesagten Tageshöchsttemperaturen werden direkt über die Internetseite des Deutschen Wet-terdienstes (www.dwd.de) zur Verfügung gestellt. Des Weiteren können andere Wetterinformationsdienste genutzt werden.

  • NT149:  Der Anwender muss in einem Zeitraum von einem Monat nach der Anwendung wöchentlich in einem Umkreis von 100 m um die Anwendungsfläche prüfen, ob Aufhellungen an Pflanzen auftreten. Diese Fälle sind sofort dem amtlichen Pflanzenschutzdienst und der Zulassungsinhaberin zu melden.

Für Metribuzin-haltige Herbizide (z. B. Arcade, Artist, Citation, Mistral, Sencor Liquid) sind die Hinweise der Hersteller zur Sortenverträglichkeit zu beachten.

Bei der Verwendung Prosulfocarb-haltiger Herbizide (z. B. Boxer, Arcade) sind folgende Anwendungsbestimmungen zum Schutz vor Verfrachtung des Wirkstoffs einzuhalten:

  • NT145:  Das Mittel ist mit einem Wasseraufwand von mindestens 300 l/ha auszubringen. Die Anwendung des Mittels muss mit einem Gerät erfolgen, das in das Verzeichnis "Verlustmindernde Geräte" vom 14. Oktober 1993 (Bundesanzeiger Nr. 205, S. 9780) in der jeweils geltenden Fassung, mindestens in die Abdriftminderungsklasse 90 % eingetragen ist. Abweichend von den Vorgaben im Verzeichnis "Verlustmindernde Geräte" sind die Verwendungsbestimmungen auf der gesamten zu behandelnden Fläche einzuhalten.
  • NT146:  Die Fahrgeschwindigkeit bei der Ausbringung darf 7,5 km/h nicht überschreiten.
  • NT170:  Die Windgeschwindigkeit darf bei der Ausbringung des Mittels 3 m/s nicht überschreiten.

Für Arcade und Citation ist zusätzlich die NG405 (Keine Anwendung auf drainierten Flächen) zu beachten.

Bekämpfung von Ungräsern

Obwohl durch einige Präparate (z. B. Artist, Bandur, Cato) auch Ungräser erfasst werden, kann oftmals auf eine zusätzliche Ungrasbekämpfung nicht verzichtet werden. Hierfür stehen verschiedene Graminizide, wie beispielsweise Agil S, Fusilade Max, Leopard, Maceta 50, Panarex, Targa Super, Select 240 EC und der Focus Aktiv-Pack zur Verfügung.

Die Ungräser sollten zum Bekämpfungstermin vollständig aufgelaufen sein und genügend Blattmasse gebildet haben. Der optimale Anwendungszeitpunkt ist das 3- bis 4-Blattstadium der Ungräser. Im Hinblick auf einen optimalen Bekämpfungserfolg dürfen Ungräser nicht von der Kulturpflanze abgedeckt sein, eine ausreichende Benetzung der Ungräser muss sichergestellt werden.

Weitere Informationen zur Unkrautbekämpfung in Kartoffeln können den Ausführungen in der Broschüre „Pflanzenschutz in Ackerbau und Grünland 2024“ auf den Seiten 240 – 246 sowie zur Bekämpfung von Ungräsern Seite 303 – 307 entnommen werden.

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